Lymphgefäße, Lymphknoten, Lymphödem und was das alles mit Brustkrebs zu tun hat

Lymphknoten und Lymphgefäße – das haben die meisten Menschen vermutlich schon oft gehört, aber was ist das eigentlich genau? Welche Funktion haben die Lymphknoten? Im Laufe meiner ungeplanten Reise kam im Zusammenhang mit dem Brustkrebs noch der Begriff Lymphödem hinzu.

Heute möchte ich ein bisschen Licht ins Dunkel bringen und das alles für Laien wie mich erklären – soweit ich es zumindest selbst verstanden habe.

Lymphgefäße – eine Definition

Die Lymphgefäße befinden sich zusätzlich zu unseren Blutgefäßen im Körper und bilden ein System aus stark verästelten Zweigen im Zwischenraum zwischen den Blutgefäßen und den Zellen – dem sogenannten „Zwischenzellraum“ (Interstitium). Dieser Zwischenraum ist auch als „weiches Bindegewebe“ bekannt. Das Lymphgefäßsystem erstreckt sich mit seinen Verästelungen über unseren gesamten Körper und mündet dann kurz vor dem Herzen ins Blutgefäßsystem.

In den Lymphgefäßen fließt die Lymphflüssigkeit (kurz Lymphe) – eine gelbliche bis farblose Flüssigkeit. Auf der einen Seite transportiert sie Sauerstoff und Nährstoffe aus dem Blut an die Zellen. Auf der anderen Seite befördert sie Kohlendioxid und kleinere Stoffwechselprodukte aus den Zellen zurück zu den Blutgefäßen – genauer gesagt zu den feinen Kapillaren. Größere Abfallprodukte wie z. B. auch Tumorzellen hingegen können nicht direkt an das Blutgefäßsystem weitergegeben werden, sondern werden über die Lymphgefäße selbst bis zu einem zentralen Punkt im Oberen Teil es Brustkorbs abtransportiert. Hier werden sie (die Abfallprodukte) direkt in die Venen geleitet und werden dann über die Nieren gefiltert und schließlich ausgeschieden.

Lymphknoten und ihre Aufgaben

Im menschlichen Körper befinden sich entlang des Lymphgefäßsystems etwa 300 bis 700 Lymphknoten. Die Lymphe passiert auf ihrem Weg zum Abtransport oft mehrere Lymphknoten. Hier fließt die Lymphflüssigkeit deutlich langsamer. Die Lymphknoten bilden eine Art Filterstation oder auch Kläranlage. Sie fangen Bakterien und Viren, aber zum Beispiel auch Tumorzellen ab. Fremdkörper und Zellen bleiben in den Netzstrukturen des Lymphknotens hängen.
In den Lymphknoten sind sogenannte Abwehrzellen eingelagert. Aufgabe dieser Zellen ist es, die gefilterten Fremdkörper und Krankheitszellen zu zersetzten und damit unschädlich zu machen.

Wächterlymphknoten bei Brustkrebs

Bereits vor einigen Tagen hatte ich ein paar Worte zu dem Wächterlymphknoten verfasst. Vielleicht wird es mit dem, was ich zu dem Lymphgefäßen geschrieben habe, etwas klarer. Vom Tumor aus fließt die Lymphflüssigkeit über das verästelte System zu den Lymphknoten. Der erste Knoten, der von dort aus passiert wird, ist der sogenannte Wächterlymphknoten. Das ist also nicht zwingend der, der vom Abstand her am nächsten am Tumor ist, sondern der, bei dem die Flüssigkeit als erstes vorbei kommt.

Besonders bei Brustkrebs und einigen anderen Krebsarten ist der Wächterlymphknoten von größter Bedeutung. Man geht davon aus, dass sich die Krebszellen über das Lymphsystem im Körper verteilen – vor allem, wenn sie nicht vollständig von den Lymphknoten gefiltert und zersetzt werden konnten. Sie werden daher bereits am Anfang der Diagnose genauer beleuchtet und dann spätestens bei der Brust-OP mit entfernt. Nach der Brust-OP wird das Gewebe des Wächterlymphknotens noch einmal eingeschickt und histologisch untersucht. Auf Basis dessen wird die weitere Therapie mit bestimmt.

Lymphödem

Das Lymphödem ist eine Krankheit des Lymphgewebes. Es kommt zu Stauungen der Lymphflüssigkeit in den Lymphgefäßen, so dass diese nicht mehr richtig abfließen kann. Es sammelt sich also Flüssigkeit im Gewebe an. Erkennen lässt sich das durch sichtbare und tastbare Schwellungen – zum Beispiel in den Armen oder Beinen (jeweils durchaus auch nur einseitig möglich).

Ursachen für ein Lymphödem können einerseits Entzündungen, bei denen zu viel Flüssigkeit in das Lymphgewebe gelangt (z. B. auch durch einen Insektenstich oder eine Schwellung durch eine Verstauchung), sein.

Aber auch Beschädigungen des Lymphsystems können dazu führen, dass die Flüssigkeit nicht mehr richtig abtransportiert werden kann. Das Lymphödem kann daher auch nach Entfernung von Lymphknoten oder nach Bestrahlung von Gewebe bei Brustkrebs auftreten. Die Ödeme können auch nach Jahre nach der eigentlichen Beschädigung des Lymphsystems auftreten. Die Ödeme sollten in jedem Fall von einem Arzt untersucht werden.

Lymphödem: Vorbeugung

Um dem Lymphödem bei Brustkrebserkrankung vorzubeugen, wird empfohlen, möglichst alle Faktoren zu vermeiden, die zur Vermehrung von Gewebsflüssigkeit führen könnten. Dazu gehören unter anderem:

  • Vermeidung von extremen Hitze- und Kälteeinwirkungen
  • Vermeidung von Überlastungen (z. B. einseitige Belastung der Schulter/der Arms an der Seite der Brust-OP)
  • Vermeidung von Verletzungen (auch kleinere Verletzungen)
  • Vermeidung von Blutdruckmessungen, Injektionen oder Blutentnahmen an der Seite des Arms der Brust-OP
  • Vermeidung von knetenden Massagen an der Seite des Arms der Brust-OP
  • Vermeidung von Insektenstichen (bzw. ein besonderes Augenmerk auf Insektenschutz legen)

Diese Punkte enthalten nur einen Auszug und haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die behandelnde Klinik sollte in jedem Fall mehr Auskunft darüber geben können.

Neben der Vermeidung bestimmter Faktoren werden regelmäßige Bewegungen empfohlen, um die Lymphgefäße zu stärken. Im Netz finden sich zahlreiche Übungen zur Steigerung des Lymphflusses.

Darüber hinaus hat meine Klinik Schwimmen empfohlen und auch einfach mal das Hochlegen des betroffenen Arms.

Lymphödem: Therapie

Sollte sich dennoch ein Lymphödem entwickeln, sollte auf jeden Fall zeitnah ein fachkundiger Arzt aufgesucht werden. Dieser sollte zunächst ermitteln, ob das Lymphödem eine operationsbedingte Erscheinung ist oder ob es auf eine Ansiedlung von Tumorzellen zurückzuführen ist.

Erst auf Basis dieser Diagnose lässt sich die weitere Therapie bestimmen. Je früher das Lymphödem behandelt wird, desto größer sind die Chancen auf eine völlige Befreiung. Deshalb empfiehlt meine Klinik, auch schon dann einen Arzt aufzusuchen, wenn sich der Umfang des Armes auch erst einen halben Zentimeter zugenommen hat.

Als Therapie können folgende Maßnahmen infrage kommen:

Entstauungstherapie (genauer: komplexe physikalische Entstauungstherapie, kurz KPE)

  • die manuelle Lymphdrainage,
  • die Kompressionsbehandlung mit Bandagen und Kompressionsstrümpfen,
  • eine entstauende Bewegungstherapie,
  • eine sorgfältige Hautpflege (mit einer rückfettenden Creme)
  • eine umfassende Aufklärung und Schulung über die Erkrankung.

Operation

Erst wenn die oben genannten Maßnahmen erfolglos bleiben, kann eine Operation ggf. in Betracht gezogen werden. Laut Krebsinformationsdienst gibt jedoch bisher noch wenige wissenschaftliche Studien dazu.

Bei weiteren Fragen können die behandelnde Klinik und ggf. auch der Verein zur Förderung der Lymphoedemtherapie e.V. weiterhelfen.


Ich hoffe, ich konnte mit diesem Artikel etwas mehr Klarheit schaffen zu diesem Thema schaffen. Für mich heißt es jetzt: immer schön fleißig meine Übungen machen und hoffen, dass ich damit dem Lymphödem vorbeugen kann.

4 Antworten auf „Lymphgefäße, Lymphknoten, Lymphödem und was das alles mit Brustkrebs zu tun hat“

Hallo Danielle,
Also mein Dad (selber vom Fach) hält ganz viel von Lymphdrainage. Da gibt’s aber ja auch unterschiedliche Techniken, die auch nicht jeder Therapeut alle beherrscht.
Aber solltest du wirklich Lymphdrainage benötigen, dann such dir am besten einen alten Hasen auf dem Gebiet!

Hallo Kerstin,
ich hoffe, ich habe das mit dem Lymphsystem & Co. einigermaßen richtig und gut beschrieben. Wenn Dein Vater vom Fach ist, kann er gerne mal einen kritischen Blick drauf werfen.
Lymphdrainage ist sicherlich nicht so schlimm, aber wenn ich Langzeitschäden grundsätzlich vermeiden oder eindämmen kann, dann ist das natürlich umso besser 🙂
Liebe Grüße
Danielle

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