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Reha ist keine Kur: Erste Eindrücke von der AHB-Reha

Seit einigen Tagen befinde ich mich nun schon in der Reha (genauer gesagt- der AHB) – meine erste Reha überhaupt. Durch „Hören-Sagen“ habe ich mir irgendwie ein vages Bild gemalt von dem, was mich wohl erwarten wird. Aber so ganz genau wusste ich es nicht. Ich ließ es wie so oft auf mich zukommen, denn wozu sollte ich mich im Vorfeld zu sehr verrückt machen damit?

Jetzt kann ich einen Einblick geben in meinen bisherige Reha-Alltag.

Aufregende Anreise zur Reha

Es war der 06. Dezember 2022 – Nikolaustag: mein Wecker klingelte um kurz vor 4:00 morgens – quasi mitten in der Nacht! Aber ich brauchte die Zeit, um noch in Ruhe einen Kaffee trinken zu können und letzte organisatorische Dinge zu regeln (z.B. meiner Tochter die Dinge bereit zu legen, die sie an diesem Tag für das gemeinsame Plätzchenbacken mit in die Schule nehmen sollte).

Um 4:49 Uhr saßen wir dann im Auto – mein lieber Mann hat mich und mein Gepäck zur Bahn gebracht. Den großen Koffer hatte ich schon vor ein paar Tagen vor geschickt. Trotzdem hatte ich noch einen Rucksack, einen kleinen Koffer und meine Nordic Walking Stöcke dabei.

Pünktlich um 5:12 Uhr ging der Zug los bis Hamburg-Altona. Ich war beeindruckt, dass es in der Mitte von Deutschland (so rund um Kassel und Göttingen) ganz schön weiß war. So viel Schnee hatte ich dieses Jahr noch nicht gesehen. Viele Menschen fluchen ja über schlechte Bahnverbindungen und schimpfen über diesen „Verein“ – ich hingegen mache meist ganz gute Erfahrungen – so auch jetzt. Denn der Zug war ziemlich pünktlich – zumindest bis Hannover.

In Hannover gab es einen längeren Aufenthalt – wegen eines Polizeieinsatzes im Zug – genauer gesagt: in meinem Waggon! Plötzlich liefen da 5-6 Polizisten durch. Huch! Da wird es einem doch kurz mal etwas mulmig. Was war passiert? Einer Frau ein paar Reihen hinter mir waren offenbar Portemonnaie und Handy gestohlen worden – während der Fahrt! Die Arme! Was lerne ich daraus? Noch besser auf die Wertsachen aufpassen! In der Zwischenzeit habe ich in der Bahn-App meine Umsteigezeit in Hamburg schrumpfen sehen.

Irgendwann fuhr der Zug dann aber doch weiter und ich hatte am Ende in Hamburg immerhin noch ca. 15 Minuten Zeit – gerade genug, um mir noch schnell etwas zum Essen zu greifen und zum Gleis zu gehen. Das waren glücklicherweise nur wenige Meter.

Damit habe ich dann am Ende tatsächlich die angepeilte Fähre um 14:05 in Dagebüll erreicht, mit der ich rüber gefahren bin auf die tolle Insel Föhr. Die Insel hat mich empfangen mit dem besten Wetter, das sie zu bieten hatte: strahlender Sonnenschein und Windstille. Der Taxifahrer sagte, so gutes Wetter gab es schon lange nicht mehr!

Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, bin ich dann auch schnell zum Strand gedüst und wurde mit einem der schönsten Sonnenuntergänge überhaupt belohnt.

Fähre nach Föhr
Die Fähre habe ich pünktlich erreicht.
Fähre nach Föhr
Was für eine Begrüßung! Nach vielen grauen Tagen gibt es strahlenden Sonnenschein auf der Fähre und später auch auf der Insel. Besser kann man kaum starten.

Die Lage und die Reha Klinik

Die Klinik liegt im Westen von Föhr direkt am Strand. Es ist eher wie ein Hotel hier, wenn ich ehrlich sein soll. Die Lage ist wirklich perfekt – man geht aus der Tür und keine 50 Meter weiter ist der Strandzugang – einer von mehreren. Das Klinikgelände ist weitläufig und irgendwie kommt man von überall zum Strand. Den nächsten Ort – mit einem gut sortierten Supermarkt – ist ca. 1,5 km entfernt. Da kann man gut hin laufen und hat gleich etwas für die Bewegung getan. Man kann „über Land“ oder am Strand entlang laufen.

Ich wohne „ganz oben“ im dritten Stock und kann sogar von meinem Zimmer aus das Meer sehen – und den Hubschrauberlandeplatz, der aber wohl gar nicht mehr genutzt wird. Stattdessen sehe ich dort immer wieder Sportgruppen trainieren.

Momentan sind wohl ca. 130 Patientinnen und Patienten da – die Klinik ist spezialisiert auf die gynäkologische Onkologie und auf Pneumologie (inkl. „Post-Covid“). Das Essen ist eigentlich ganz ok – es ist keine Sterne-Restaurant, aber abwechslungsreich. Vor allem gibt es für meinen Geschmack guten Kaffee zum Frühstück.

Außerdem gibt es einen (ziemlich gut sortierten) Kiosk, der tatsächlich auch an den Wochenenden geöffnet hat. Hier kann man auch nachmittags mal gemütlich einen Kaffee trinken und mit anderen Menschen ins Gespräch kommen.

Insgesamt finde ich, dass die Klinik ganz liebevoll gestaltet ist. Man findet jetzt natürlich viel Weihnachtsdeko, aber selbst die ist wirklich hübsch und nicht zu überladen (für meinen Geschmack versteht sich).

Rehaklinik direkt am Strand - Föhr
Der Zugang zum Strand. Es gab schon einige fantastische Sonnenuntergänge seit ich hier bin. Hier trifft man dann auch viele Mitstreiter, die versuchen, den Moment irgendwie fotografisch festzuhalten.

Das Programm – Was macht man eigentlich in der Reha?

Eines kann ich gleich vorwegnehmen: es ist keine reine Entspannungskur! Seit Anfang an habe ich ein mehr oder weniger straffes Programm. Neben der Klinikführung gab es schon vor dem ersten Arztgespräch ein paar Dinge, die alle erstmal am Anfang auf dem Plan haben. Zum Beispiel „Haltungstraining“ – da hab ich allerdings nicht dran teilgenommen, weil ich irgendwie einer anderen Gruppe gefolgt bin – die haben sowas ähnliches gemacht. Am Ende ist es beides Koordinationstraining – die einen mit Gymnastikbändern – die anderen mit Stangen.

Mein Tag beginnt oft schon früh um 7:00 – mit einem Arztgespräch oder mit Blutabnahme. Man muss dann pünktlich irgendwo aufschlagen. Der Wartebereich für die Gynäkologie ist zum Glück nur wenige Schritte neben meinem Zimmer. Für die Blutabnahme hingegen muss ich einmal auf die andere Seite der Klinik. Da muss man schon etwas Zeit einplanen.

Der Arzt hat mir jetzt ein Programm zusammengestellt aus Vorträgen, Ausdauertraining und Konzentrationstraining – auch und nicht zu vergessen: die Massagen zur Entspannung.

Im Programm sind immer noch Lücken, weil es hier ein riesiges Zusatzangebot an Aktivitäten gibt. Hier kann man selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang man teilnehmen möchte. Es muss natürlich zeitlich in den Therapieplan passen, aber ansonsten steht es einem frei, sich in entsprechende Listen einzutragen. Es gibt immer einen großen Ansturm auf die Listen, sobald diese aushängen. Für bestimmte Angebote gibt es immer eine große Nachfrage.

So war ich zum Beispiel schon zur Einweisung zum Bogenschießen – die ist sehr begehrt, denn ohne Einweisung kann man nicht am eigentlichen Bogenschießen teilnehmen. Außerdem habe ich mit im Trommeln auf Gymnastikbällen („Drums Alive„) versucht. Das war super anstrengend – auch für die Konzentration und Koordination – und hat super viel Spaß gemacht! Das will ich auf jeden Fall wiederholen!

Gestern Abend gab es dann einen (freiwilligen) Kinoabend. Wir haben uns „Der Gesang der Flusskrebse“ angesehen. Ein wirklich toller Film, der mir schon oft empfohlen wurde, den ich aber bisher noch nicht gesehen hatte.

Insgesamt falle ich dann abends platt ins Bett – also groß Ausruhen kann ich dann erst am Wochenende.

täglich testen
Und täglich grüßt das Murmeltier – wir dürfen hier täglich einen Selbsttest machen und müssen den auch vorzeigen. Ich finde das wirklich gut, wie sie das hier handhaben.
aktiv in der Reha
In der Reha darf man gerne mal was Neues ausprobieren – hier war es „Drums alive“ – da bin ich echt ins Schwitzen geraten.

Die Menschen: beeindruckend und voller Lebensfreude

Sind in der Reha alle gebrechlich und depressiv? Ziehen die einen nicht eher runter? Diese Fragen kann ich bisher nur mit einem klaren „Nein!“ beantworten. Alle, die hier zur Reha sind, bringen ihre eigene ganz persönliche Geschichte mit, aber hier wird unfassbar viel gelacht und ich habe bisher noch niemanden wirklich jammern gehört.

Natürlich ist nicht jede/r gleich fit, aber alle machen mit am Aktivprogramm – nach ihren Möglichkeiten. Das beeindruckt mich wirklich total! Auch die Geschichten, die sie zum Teil durchlebt haben. Dagegen war meine Reise bisher eher ein Klacks.

Da man sich hier immer wieder bei den unterschiedlichen Aktivitäten und beim Essen über den Weg läuft, kennt man sich irgendwann – gerade mit den Damen, mit denen ich am gleichen Tag angereist bin – kommt man ins Gespräch. Oder man lacht einfach gemeinsam in der „Tanztherapie“, weil man sich einfach verhaspelt bei einer Variante des Sirtaki-Tanzes.

Auch das Klinikpersonal ist hier total freundlich und hat auch gerne mal einen Scherz auf den Lippen. Aber sie erscheinen mir auch recht kompetent zu sein – und sie kümmern sich. So hat mich der Arzt heute (Samstag!) morgen um 8:30 angerufen und mir zu erklären, dass mein Blutbild wohl nicht so toll wäre – also zumindest was die weißen Blutkörperchen angeht. Ich muss also auf mein Immunsystem aufpassen und soll auch besser erstmal den Speisesaal meiden. Hier haben die Menschen zwar kein Corona (wir testen zumindest täglich), aber dennoch gehen natürlich Erkältungen um.

Deshalb bekomme ich jetzt einen exklusiven Zimmerservice – auf den ich auch gerade sehnsüchtig warte. 😂 Uuund ich hab Zeit, mich endlich diesem Blogartikel zu widmen.

Reha - Kiosk / Café: mit Liebe zum Detail
Im Café wird der Kaffee mit viel Liebe zubereitet und überhaupt sind hier alle sehr freundlich.
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2 Antworten auf „Reha ist keine Kur: Erste Eindrücke von der AHB-Reha“

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