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Metamorphose durch Brustkrebs: Wie ich zu meinem Kurzhaarschnitt kam

Ein ganzes Jahr ist es jetzt her, dass ich mich von meinen Haaren trennen musste – unfassbar wie schnell die Zeit vergeht! Ich habe mich von den halblangen Haaren getrennt und trage jetzt mit voller Überzeugung eine Kurzhaarfrisur. Früher hätte ich mich das nicht getraut – einfach die Haare abzuschneiden. Was, wenn das doof aussieht? Heute weiß ich, es ist egal, denn sie werden schon wieder nachwachsen.

Doch wie war das mit den Haaren? Wie kam es zu dieser Metamorphose?

„Mama, ich glaube, es ist soweit!“: Schnipp schnapp Haare ab!

Im Februar 2022 noch vor dem 2. Chemotherapie-Zyklus haben wir in einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ meine Haare abrasiert. Ich kann kaum glauben, dass inzwischen ein ganzes Jahr vergangen ist.

Damals hatte ich zu allem Überfluss noch Corona und war somit in Quarantäne. Deshalb war der Tipp, mir vorher noch schnell eine Kurzhaarfrisur zuzulegen, zwar gut, aber nicht umsetzbar. Für mich war aber damals schon klar, dass die Kinder auf jeden Fall mit eingebunden werden sollen. Als dann die Haare fleißig rieselten, sagte mein Sohn zu mir: „Mama, ich glaube, es ist soweit!“ So haben wir kurzerhand Nägel mit Köpfen gemacht und Schere und Rasierer zur Hand genommen.

Die Kinder durften sich an meinen Haaren austoben und mein Mann hat am Ende die Reste abrasiert – sein Rasierer kam damit zwischenzeitlich an seine Grenzen.

Mit langen Haaren und selbst genähter Mütze
Da waren die Haare noch dran – ich habe mich aber schon mal vorbereitet und mir eine Mütze genäht, die ich aber nur sehe selten getragen habe.
Chemotherapie: Haare ab, Glatze
Das war das Ergebnis nach der Haare-ab-Aktion: deutlich besser als befürchtet!

Verpuppung: Mütze und Buff statt Perücke

Eigentlich hatte ich mir ja ein Rezept für eine Perücke geben lassen, aber irgendwie bin ich nie dazu gekommen, auch wirklich mal in einen Perückenladen zu stapfen. Anscheinend war es mir nciht so wichtig, denn sonst hätte ich das wohl höher priorisiert.

Ein bissen spannend hätte ich es dennoch gefunden, einfach mal ein paar Frisuren auszuprobieren ohne gleich zum Friseur gehen zu müssen. Letztlich fand ich aber meine neue „Frisur“ erstaunlich gut – wer hätte gedacht, dass mir das so gut stehen würde? Ok, ich musste mich durchaus dran gewöhnen und habe mich das eine oder andere Mal gefragt, wer mich da eigentlich aus dem Spiegel anschaut.

Die größte Herausforderung, wenn man so will, war aber nicht mein Aussehen, sondern die Tatsache, dass es plötzlich ganz schön kühl da oben war. Plötzlich habe ich jeden Windzug gespürt – auch wenn ich mich einfach nur im Haus bewegt habe. Jetzt war ich doch froh um die eine oder andere dünne Mütze. Noch viel besser waren aber die Multifunktionstücher – von denen hatte ich eh jede Menge im Schrank. Sie waren mir auf diversen Laufveranstaltungen „zugeflogen“ und haben nun endlich ihre Bestimmung gefunden. Ich hatte eigentlich immer irgendwie ein oder mehrere dieser „Buff“-Tücher dabei gehabt – entweder auf dem Kopf oder in der Tasche.

Chemotherapie - Zyklus Nummer 14
Das „Multifunktionstuch“: ein praktischer Begleiter, wenn es mal kühl am Kopf wird.

Mein „Outing“

Im März – also einen guten Monat nachdem wir die Haare abrasiert hatten, gab es draußen endlich mal wunderbar wärmende Sonnenstrahlen und ich habe es gewagt – zum ersten Mal – auch draußen ohne Kopfbedeckung herumzulaufen.

Damals habe ich ein Selfie gemacht, dass ich spontan in meinen WhatsApp-Status gestellt habe. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wussten alle Bescheid. Ich musste mich nicht mehr erklären, warum ich momentan vielleicht nicht so einsatzfähig war. Es war wie ein Befreiungsschlag. Das war auch der Moment, an dem ich endgültig beschlossen hatte, dass ich keine Perücke kaufen würde.

Ich habe damals unglaublich viel positives Feedback bekommen. Ich musste mich also nicht verstecken – ganz im Gegenteil. Diese „Frisur“ hat mir unfassbar viel Selbstbewusstsein gebracht.

Outing mit Glatze
Mit diesem Bild bin ich in die Öffentlichkeit gegangen – ich finde immer noch, dass ich wirklich gut aussehe darauf 😊

Die Augenbrauen

Meiner Meinung nach ist es ja nciht die Glatze, die einen krank aussehen lässt, sondern eher der ´Moment, wenn man auch keine Augenbrauen mehr hat. Dann fehlt igrendwie etwas im Gesicht. Deshalb habe ich auch einen Schminkkurs gemacht. Das ganze Thema mit Make-up und Rouge war mir eigentlich egal – das einzige, was ich lernen wollte war, wie ich die Augenbrauen bei Bedarf nachziehen könnte.

Dieser Kurs kam genau zum richtige Zeitpunkt, denn kurz darauf fingen die Augenbrauen an zu rieseln. Irgendwann war ich Profi im Brauen zeichnen und ich habe so einige Augenbrauen-Stifte verbraucht und mich vor allem auch durch die verschiedenen Farb-Nuancen probiert. Es war gar nicht so leicht, den richtigen Ton zu treffen.

Nachgezogene Augenbrauen
Hier sieht man die nachgezogenen Brauen ganz gut – sie sind fast ein bisschen dunkel geworden

Die Haare kommen zurück

Die gute Nachricht ist: die Haare kommen auch wieder zurück. Zumindest bei mir konnte man bereits im Mai wieder die ersten zarten Härchen an meinem Kopf erkennen – wie bei einem Baby kamen immer mehr weiche Flusen. Die Augenbrauen haben sich etwas mehr Zeit gelassen – sie sind ja auch erst später gefallen.

Im Sommer konnte man die Haaren quasi beim Wachsen zuschauen. Das war schon irgendwie komisch. Früher hab ich mir immer wallendes langes Haar gewünscht – stattdessen waren sie eher fein und sind über eine bestimmte Länge nicht hinaus gekommen. Jetzt wachsen sie mir fast zu schnell.

Die Haare kommen zurück
Wenn man genau hinschaut, sieht man die ersten feinen Flusen, die sich zurück kämpfen.

Fazit

Hätte mir früher jemand gesagt: „Schneid doch die Haare mal ab und trag sie ganz kurz.“ – Ich hätte dieser Person vermutlich einen Vogel gezeigt. Jetzt, da ich quasi zu der Kurzhaarfrisur gezwungen wurde, muss ich feststellen, dass das nicht nur praktisch und pflegeleicht ist, sondern es mir auch noch ziemlich gut steht. Ich kann nicht sagen, ob sich die Haarstruktur verändert hat – vielleicht sind sie ein bisschen voller geworden. Auf jeden Fall habe ich mich verändert. Ich bin deutlich selbstbewusster geworden und habe aufgehört, mich mit anderen vergleichen zu wollen.

Danielle Berg - nach der Metamorphose
Das bin ich heute – nach der Metamorphose

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